1990 war ein besonderes Jahr für Liechtenstein: Das Fürstentum wurde in die Vereinten Nationen aufgenommen. Dieses Ereignis war ein weiterer Meilenstein, der die Souveränität des Staates markierte. Seit 1806 ist Liechtenstein unabhängig. Seine Eigenstaatlichkeit und Neutralität waren nie umstritten - auch nicht in den beiden Weltkriegen. Liechtenstein gehört zu den wenigen Staaten, die das 1938 geschlossene Münchner Abkommen zwischen Deutschland, Italien, Frankreich und Großbritannien über die Annexion von Teilen der Tschechoslowakei durch Hitler-Deutschland nie anerkannten.
Liechtenstein ist Vertragspartei zahlreicher internationaler Übereinkommen sowie Mitglied wichtiger internationaler und europäischer Organisationen und Institutionen. Neben der Mitgliedschaft in den Vereinten Nationen (seit 1990), in einer Reihe ihrer Sonderorganisationen und beim Statut des Internationalen Gerichtshofs (seit 1950) ist Liechtenstein unter anderem Mitglied des Europarates (seit 1978), der EFTA (seit 1959 assoziiert, seit 1991 Vollmitglied), der WTO (seit 1995), der Europäischen Patentorganisation (seit 1980), der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (seit 1991) sowie der früheren KSZE und heutigen OSZE (seit 1975). Am 1. Mai 1995 ist Liechtenstein dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) beigetreten, der die inzwischen 25 EU-Staaten sowie Island, Liechtenstein und Norwegen zu seinen Mitgliedern zählt.
Liechtenstein ist mit seinen 160 Quadratkilometern einer der kleinsten unabhängigen Staaten der Welt. Zwei Drittel des Landes bestehen aus Gebirge, ein Drittel ist Siedlungsgebiet. Geographisch ist Liechtenstein in das Oberland mit der ehemaligen Grafschaft Vaduz und das Unterland auf dem Gebiet der einstigen Herrschaft Schellenberg aufgeteilt.
Liechtenstein hat rund 35.000 Einwohner, von denen mehr als ein Drittel eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen. Sie setzen sich zusammen aus insbesondere schweizerischen und österreichischen Staatsbürgern und aus Staatsbürgern anderer Staaten, wobei auch deutsche Staatsbürger stark vertreten sind. Amtssprache des Landes ist Deutsch, Umgangssprache ein alemannischer Dialekt. Etwa 80 Prozent der Bevölkerung sind römisch-katholisch, etwa sieben Prozent Protestanten.
Gemäß Verfassung ist Liechtenstein eine "konstitutionelle Erbmonarchie auf demokratischer und parlamentarischer Grundlage". Die Staatsgewalt ist im Fürsten und
im Volk verankert und wird von beiden nach Massgabe der Verfassung ausgeübt. Staatsoberhaupt für die elf Gemeinden des Fürstentums ist seit
13. November 1989 S.D. Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein. Bereits am 26. August 1984 hatte ihn sein Vater, Fürst Franz Josef II., zum Stellvertreter ernannt und mit den Regierungsgeschäften betraut. Das Schloss der Fürstenfamilie überragt noch heute die Residenzstadt Vaduz (rund 5.000 Einwohner).
Das liechtensteinische Parlament, der Landtag, wird alle vier Jahre direkt vom Volk gewählt. Der Wahlkreis Unterland stellt 10, das Oberland 15 Abgeordnete. Bei der Wahl im Februar 2001 errangen die Fortschrittliche Bürgerpartei (FBP) 13, die Vaterländische Union (VU) 11 und die Freie Liste (FL) einen Sitz. Die Regierung besteht aus dem Regierungschef und vier Regierungsräten.
Liechtenstein besitzt eine florierende Wirtschaft und zählt vom Pro-Kopf-Einkommen her (Bruttoinlandsprodukt 4,35 Milliarden Schweizer Franken) zu den reichsten Staaten der Welt. Mit 2,2 Prozent ist die Arbeitslosenquote überaus niedrig. 53,4 Prozent der rund 29.000 Arbeitsplätze (davon 13.000 Pendler) entfallen auf das Dienstleistungsgewerbe, 44,8 Prozent auf Industrie und Gewerbe, 1,3 Prozent auf die Land- und Forstwirtschaft. Die Bereiche Industrie, Dienstleistungen und Finanzdienstleistungen spielen wirtschaftlich für das Land eine große Rolle, wobei der Anteil der Industrie vielfach unterschätzt wird. Die Hauptexportmärkte sind Europa, die USA und der Ferne Osten. Auch dem Tourismus kommt Bedeutung zu, während die Landwirtschaft im Vergleich zu anderen Staaten eine eher bescheidene Rolle spielt.
Liechtenstein entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem wichtigen internationalen Finanzzentrum. Die enge Verbindung mit der Schweiz - Liechtenstein und die Schweiz verbindet seit 1924 eine Zoll- und Währungsunion - ist von großer Bedeutung. Die offizielle Landeswährung ist der Schweizer Franken.
Die Liechtensteiner stammen vom germanischen Stamm der Alemannen ab, der die Region ab 500 n. Chr. besiedelte. Im Mittelalter wurde Liechtenstein von verschiedenen Grafengeschlechtern regiert. 1699 kaufte Johann Adam Andreas von Liechtenstein die Herrschaft Schellenberg und 1712 die Grafschaft Vaduz. 1719 wurden die Gebiete zum Reichsfürstentum Liechtenstein erhoben, das 1806 mit dem Untergang des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und der anschließenden Aufnahme in den Rheinbund ein souveräner Staat wurde. 1862 trat eine erste konstitutionelle Verfassung in Kraft, die durch die Verfassung von 1921 abgelöst wurde. Mit dieser Verfassung, die in ihren wesentlichen Grundzügen bis heute gilt, wurde ein wesentlicher Ausbau des demokratischen Rechtsstaates herbeigeführt und dem Volk die direkte Demokratie - ähnlich wie in der Schweiz - gebracht. Im Jahr 2003 wurden dann durch Volksentscheid und nach einer mehrjährigen Verfassungsdebatte eine Reihe von Änderungen beschlossen, die die Verfassung von 1921 an die Anforderungen eines modernen Staatswesens anpaßt.